Montag, 10. November 2014

Babyfenster hilft zum zweiten Mal einer Mutter in Not

FRIEDRICHSHAFEN – Ein halbes Jahr nach dem Fund des ersten Neugeborenen im Babyfenster des Klinikums Friedrichshafen wurde es nun zum zweiten Mal von einer verzweifelten Mutter genutzt. Sie klappte das schwer einsehbare Fenster auf und legte ihr drei Tage altes Mädchen in das gepolsterte, beheizte Bettchen. Sofort wurde der Alarm auf der Kinderstation ausgelöst und wenige Minuten später konnte das Kind medizinisch versorgt werden. Auch der zweite Fall fand ein glückliches Ende: Bereits nach wenigen Tagen konnte das Baby zurück zu seinen Eltern.

Marie-José Falzone, pflegerische Leiterin des Mutter-Kind-Zentrums am Klinikum Friedrichshafen, zeigt anhand einer Babypuppe, wie ein Neugeborenes im Babyfenster in Empfang genommen wird.
Der Weg zum Babyfenster des Klinikums Friedrichshafen ist gut ausgeschildert.

Kein Fehlalarm

Immer wieder werden die Kinderkrankenschwestern durch einen Fehlalarm zum Babyfenster des Mutter-Kind-Zentrums (Mukiz) gerufen. "Dieses Mal fanden wir ein gesundes, etwa drei Tage altes Neugeborenes vor", berichtet Dr. Udo Radlow, Chefarzt der Kinderklinik. Schön angezogen hatte das Kind einen Zettel mit seinem Namen, ein Kuscheltier und einen Begleitbrief der Mutter bei sich. "Wenn sie nachts weint, hat sie Hunger", hat sie darin fürsorglich notiert. Sie selbst müsse einige Probleme lösen, begründete sie den Schritt, sich von ihrem Kind zu trennen.

Nach fünf Tagen war das Baby wieder zuhause

Um die Anonymität zu wahren wurde das Mädchen im Klinikum unter dem Namen "Eva Mukiz" geführt. "Schon wenige Stunden später rief der Vater des Kindes an und sagte, dass die Eltern nicht ohne ihr Kind leben wollen", erinnert sich die leitende Oberärztin Dr. Simone Jedwilayties. Der gewünschte Kontakt mit dem Kind musste jedoch zunächst mit dem Jugendamt abgesprochen werden. "Wenn wir ein Kind im Babyfenster finden, ist neben der medizinischen und emotionalen Versorgung ein genauer behördlicher Ablauf einzuhalten", erläutert Dr. Radlow. Im Fall von "Eva Mukiz" durften die Eltern gleich zu ihrem Kind und nach fünf Tagen konnten sie es mit nach Hause nehmen.

Leben des Kindes ist gesichert

"Beide Fälle am Klinikum zeigen, dass das Babyfenster die Funktion eines Ventils hat", so Dr. Radlow. Es sei ein kurzfristiger und absolut unbürokratischer Ausweg, wenn die Mutter verzweifelt sei und im Moment absolut nicht mehr weiter wisse. Das kann Marie-José Falzone, pflegerische Leiterin des Mutter-Kind-Zentrums, nur bestätigen: "Die Mütter wissen, dass das Leben ihres Kindes hier gesichert ist." Dasselbe gilt auch für die anonyme und für die vertrauliche Geburt, die im Klinikum Friedrichshafen ebenfalls möglich sind. "Im Gegensatz zum Ablegen des Kindes im Babyfenster wollen sie jedoch im Vorfeld geplant sein." Und genau damit seien die betroffenen Mütter in dem Moment vollkommen überfordert. "Über die Alternativen zum Babyfenster in dieser verzweifelten Situation mag man eigentlich gar nicht nachtdenken", so Marie-José Falzone.

Hilfe für Menschen in Not

Meldet sich die Mutter nicht mehr – anders als im Klinikum in beiden Fällen geschehen – wäre "Eva Mukiz" zunächst in eine Pflegefamilie gekommen. Acht Wochen lassen die Behörden der leiblichen Mutter nach der Geburt Zeit, um ihren Schritt zu überdenken. Dann wird das Kind zur Adoption frei gegeben. Geschäftsführer Johannes Weindel sieht die Legitimation des Babyfensters darin, Menschen in Not zu helfen. Das Klinikum schaffe Raum und Möglichkeit, damit das Kind versorgt wird und fachkundige Hilfe bekommt. "Es steht uns gut an, dies zu tun."

 

 

Kontaktdaten

Klinikum Friedrichshafen GmbH
Röntgenstraße 2
88048 Friedrichshafen

Telefon: 07541 96-0
Fax: 07541 96-1185
info @klinikum-fn .de