Mittwoch, 14. Mai 2014

"Ein repariertes Herz muss regelmäßig zum Check"

Friedrichshafen (kf) Im Klinikum Friedrichshafen kümmern sich Spezialisten auch um Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern.
Dr. Günther Welte, kardiologischer Oberarzt am Klinikum Friedrichshafen

Bis vor einigen Jahrzehnten  kam die Diagnose "angeborener Herzfehler" einem Todesurteil gleich: Die meisten kleinen Patienten starben kurz nach der Geburt oder innerhalb des ersten Lebensjahrs an Fehlbildungen wie Scheidewanddefekten, obstruktiven Veränderungen, die den Herz-Lungen-Kreislauf einengen oder an komplexen Fehlern wie dem Fehlen der zweiten Herzkammer. "Mittlerweile erreichen mehr als 90 Prozent der Betroffenen das Erwachsenenalter", sagt Dr. Günther Welte, kardiologischer Oberarzt am Klinikum Friedrichshafen.

Herausforderung für die Mediziner

Der 55-jährige Internist und Kardiologe hat eine Zusatzqualifikation für die Behandlung von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH) erworben und weiß um die Erfolge der Medizin in den vergangenen Jahren: "In Deutschland leben derzeit rund 300 000 Patienten aller Altersklassen mit einem angeborenen Herzfehler."  Mehr als die Hälfte, nämlich rund 180 000 von ihnen, sind Erwachsene, und ihre Zahl wird in Zukunft Jahr für Jahr um rund 5000 steigen.

So erfreulich diese bessere Prognose für die Patienten ist, so sehr fordert sie die Mediziner. "Die Kinderkardiologie hat sich schon immer mit angeborenen Herzfehlern befasst. In der Erwachsenenmedizin sind diese erst in den vergangenen Jahren zum Gegenstand der Ausbildung geworden."  Und auch das nur bedingt: Deutschlandweit gibt es neben 181 Kinder-Kardiologen gerade einmal etwa 73 Erwachsenenkardiologen. So wie Welte verfügen sie über die Zusatzqualifikation samt Prüfung für die Behandlung von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern. Im Bodenseekreis ist er der einzige.

Dabei sind gut ausgebildete Kardiologen gerade für diese Patientengruppe besonders wichtig: „Die Operation bedeutet oft nur eine Reparatur, keine Heilung“, macht der Friedrichshafener Kardiologe klar. "Die Patienten bleiben ein Leben lang behandlungs- und vor allem kontrollbedürftig. Ein repariertes Herz muss regelmäßig zum Check."

Herz-Check im Klinikum Friedrichshafen

Das Klinikum Friedrichshafen erfüllt die geforderten Kriterien eines regionalen EMAH-Zentrums, macht Dr. Welte klar, denn hier lassen sich nicht nur alle relevanten Untersuchungen vornehmen – wie EKG, Ultraschall, Lungenfunktionstests, Herzkatheteruntersuchungen sowie elektrophysiologische Untersuchungen und Behandlungen – sondern es können auch Herzschrittmacher und Defibrillator-Systeme implantiert werden.

Und die enge Zusammenarbeit zwischen zertifizierter Kinder- und Erwachsenenkardiologie funktioniere in Friedrichshafen bestens: "Die Patienten kommen schon als Kinder zu uns und werden als Erwachsene weiter betreut", sagt Günther Welte und erzählt von einer Patientin, die schon als Kind mit einer angeborenen Verengung der Hauptschlagader im Klinikum behandelt wurde. Jetzt möchte die 30-Jährige gerne schwanger werden – "ein gewisses Risiko", wie die Ärzte einräumen. Gründliche Untersuchungen in Friedrichshafen und im Deutschen Herzzentrum in München sollen dieses Risiko kalkulierbar machen, eine eventuelle Entbindung mit der Frauenklinik im Mutter-Kind-Zentrum muss sorgfältig vorbereitet werden.

Noch ist nichts entschieden im Fall der jungen Frau. Dass Menschen mit angeborenen Herzfehlern aber durchaus in der Lage sind, Höchstleistungen zu erbringen, dafür steht der US-amerikanische Olympiasieger Shaun White. Als Baby hat er nur dank zweier Operationen überlebt. Heute ist er mit zwei Goldmedaillen und zahllosen weiteren Erfolgen der unbestrittene Star der Snowboardszene. Und er ist ein EMAH.

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