Montag, 24. Juni 2013

Organspendeausweis schafft Klarheit

Ob Herz, Niere, Leber oder Lunge: Tausende Patienten warten in Deutschland derzeit auf ein dringend benötigtes Spenderorgan – aber ein großer Teil von ihnen hat kein Glück. Denn noch besitzen viel zu wenige Menschen hierzulande einen Spenderausweis. Nur jeder fünfte hat dieses kleine Kärtchen, das beim eigenen Tod womöglich anderen das Leben schenken kann.

Täglich sterben in Deutschland drei Schwerkranke, weil sie vergeblich auf ein lebensrettendes Spenderorgan gewartet haben. „Es gibt eine große Diskrepanz zwischen Wartenden und Transplantierten“, stellt Dr. Detlev Jäger, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Klinikum Friedrichshafen, fest. So bekommt zum Beispiel weniger als die Hälfte der Kandidaten für eine Herztransplantation ein Spenderorgan. Bei Nierenpatienten ist es noch dramatischer: Im Jahre 2011 wurden in Deutschland laut Vermittlungsstelle Eurotransplant etwas mehr als 2 000 Nieren transplantiert – bei einer rund 8 000 Personen umfassenden Warteliste. „Dahinter verbirgt sich ein hohes Leidenspotenzial“, weiß Dr. Jäger. Doch woran liegt es, dass es so wenige Spender gibt? Die jüngsten Transplantationsskandale dürften manchen abgeschreckt haben, wie auch der Häfler Mediziner bestätigt: „Seit letztem Herbst ging die Spendenbereitschaft um 20 Prozent zurück.“

Voraussetzung: Hirntod

Doch auch vor diesen Negativschlagzeilen haben die meisten eine Auseinandersetzung mit dem Thema gescheut. Vielleicht aus Unwissenheit, vielleicht auch aus Angst. Jene Angst, dass vielleicht doch im Ernstfall auf der Intensivstation nicht alles medizinisch Mögliche für das eigene Überleben getan werden könnte. Zweifel, die Dr. Jäger klar ausräumt: Mit einem Organspendeausweis in der Tasche werde kein Patient früher aufgegeben. „Das ist streng geregelt.“ So muss zuerst der Hirntod eines potenziellen Spenders eindeutig festgestellt worden sein. Und zwar von zwei unterschiedlichen Instanzen, etwa einem Neurologen und einem Intensivmediziner. Nach anerkannter naturwissenschaftlich-medizinischer Erkenntnis gilt der Hirntod – wenn also alle Funktionen des Gehirns unwiederbringlich erloschen sind – als ein sicheres Todeszeichen des Menschen. Auch wenn es vielleicht je nach religiösem oder ethischem Hintergrund auch andere Auffassungen gebe, wie Dr. Jäger einräumt.

Entscheidungslösung eingeführt

Meist scheitern Organspenden aber gar nicht an der Einstellung des Betroffenen selbst. 90 Prozent aller Ablehnungen basieren auf dem „vermeintlichen“ Willen des Verstorbenen oder auf die Entscheidung der Angehörigen. Zwar hat der Gesetzgeber Ende des vergangenen Jahres die so genannte „Entscheidungslösung“ eingeführt. Demnach sollen die Menschen mit regelmäßigen Befragungen durch die Krankenkassen schon zu Lebzeiten dazu gebracht werden, sich in Sachen Organspende zu erklären. Doch in der Praxis gilt immer noch: Meist ist der tatsächliche Wunsch des Sterbenden nirgends dokumentiert. Die Folge: Die Ärzte müssen im Gespräch mit den Angehörigen des potenziellen Spenders klären, ob sie einer Organentnahme zustimmen. Eine denkbar belastende Situation – für alle Beteiligten. Zum einen kostet das Gespräch wertvolle Zeit, zum anderen muss sich die Familie am Sterbebett in ihrer Trauer noch mit der schwierigen Frage nach einer Organspende auseinandersetzen und ist sich dabei womöglich untereinander gar nicht einig.

Ausweis entlastet Angehörige

Ein kleines Stück Papier kann den Druck von den Angehörigen nehmen: der Organspendeausweis. Auf diesem ist klar festgehalten, ob – und wenn ja – welche Organe und Gewebe nach dem Tod gegebenenfalls entnommen werden dürfen. Also ob man Multiorganspender werden oder nur ein bestimmtes Organ spenden will. Oder – auch das ist möglich – dass man einen Dritten bevollmächtigt, die Entscheidung im Fall der Fälle zu treffen. Aber selbst wenn auf dem scheckkartengroßen Ausweis das JA angekreuzt ist: Für eine tatsächliche Organspende kommen aus medizinischer Sicht nur wenige Verstorbene in Frage. Meist stammen sie aus dem Kreis derer, die an Hirnblutungen oder Schädelhirntraumata gestorben sind. Umso wichtiger ist eine höhere Spendenbereitschaft in der Bevölkerung.

Ein bis zwei Spender pro Jahr

2012 gab es am Klinikum Friedrichhafen genau einen Multiorganspender. Laut Dr. Jäger liegt das im Normalbereich: „Wir haben immer nur ein bis zwei Spender pro Jahr.“ Doch auch bei diesen geringen Fallzahlen gilt: jeder weitere Spender kann Leben retten. „Die Spenderzahl könnte deutschlandweit locker verdoppelt werden, wenn es mehr Zustimmungen für Organentnahmen geben würde.“ (ck)

Wie läuft eine Organspende ab?

Ist der Hirntod festgestellt und liegt die Einwilligung vor, sendet die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) ein Entnahmeteam an das Klinikum. Da die Zuständigkeiten aus Prinzip klar getrennt sind, hat dieses Team nichts mit jenen Ärzten zu tun, die nachher transplantieren – etwa in Köln, München, Würzburg oder Hamburg. Denn das Häfler Klinikum selbst ist kein Transplantationszentrum.

Von der Organentnahme bis zum Eintreffen am Zielort und dem dortigen Eingriff vergehen dann womöglich nur wenige Stunden. Den geeigneten Empfänger hat zuvor die Vermittlungsstelle Eurotransplant aus den Wartelisten ermittelt. Die Patienten stammen aus einer Region, die Deutschland gemeinsam mit Österreich, Slowenien, Kroatien und den Beneluxländern bildet.

In Sachen Organentnahme halten organisatorisch die gesetzlich vorgeschriebenen Transplantationsbeauftragten die Fäden in der Hand, so auch am Klinikum Friedrichshafen.

 

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