Mittwoch, 8. Februar 2012

Klinikum Friedrichshafen eröffnet Babyfenster

Haben das Babyfenster am Mutter-Kind-Zentrum des Klinikums Friedrichshafen seiner Bestimmung übergeben: (v.l.) Landrat Lothar Wölfle, Vorsitzender des Ethikkomitées PD Dr. Detlef Jäger, Geschäftsführer Johannes Weindel und Pflegedirektor Oliver Schönmann.

Feierlich, aber mit dem der Sache angemessenem Ernst, haben Anfang Februar der Geschäftsführer des Klinikums Johannes Weindel und der Landrat des Bodenseekreises Lothar Wölfle das so genannte „Babyfenster“ im Mutter-Kind-Zentrum seiner Bestimmung übergeben.
 
„Wir haben mit dem Babyfenster in unserem Mutter-Kind-Zentrum nun auch eine Anlaufstelle für werdende Mütter in Not geschaffen“, sagte der Geschäftsführer des Klinikums Friedrichshafen Johannes Weindel bei der Eröffnung. „Das Thema liegt uns sehr am Herzen.“ Er betonte, dass man im Klinikum sehr wohl darum wisse, dass das Thema nicht unumstritten sei, aber „wenn nur ein einziges Leben durch das Babyfenster gerettet werden kann, hat sich die Einrichtung bereits gelohnt.“
 
Auch der Landrat des Bodenseekreises Lothar Wölfle machte in seinem Grußwort deutlich, dass Menschen, die aus einer schwierigen Lebenslage heraus, ihr Neugeborenes weggäben, nicht verurteilt werden sollten. Er verglich das Aussetzen eines Kindes mit der biblischen Geschichte von Moses, der auf dem Nil in einen Korb gelegt worden sei. „Andere als die leiblichen Eltern haben damals die Verantwortung für das Kind übernommen. Und wir übernehmen sie heute für Mütter, die nicht für sich und ihr Kind sorgen können.“ Zwar biete das Landratsamt mit Beratungen bereits einen Rahmen für Prävention, aber wenn alles nichts mehr nütze, gäbe es mit dem Babyfenster nun einen letzten Ausweg für Mütter.
 
Die Planungen für das Babyfenster reichen bis in den Sommer 2010 zurück. In enger Zusammenarbeit mit dem Kreissozialamt entstand das Konzept. Beteiligt war auch das klinikeigene Ethikkomitée, dem Privatdozent Dr. Detlef Jäger vorsteht. „Die Zustimmung zu dem Vorhaben war hier ungeteilt, alle waren positiv gestimmt“, berichtet Weindel.
 
Das Babyfenster befindet sich in einem mit Schilfgras abgetrennten Eck an der Rückseite des Mutter-Kind-Zentrums. In bunten Buchstaben ist der Schriftzug „Babyfenster“ auf der Klappe zu lesen. Die Klappe lässt sich einfach öffnen. Das Bettchen, das in einen Gang hineinragt, ist beheizt. Wird das Baby hineingelegt und die Klappe wieder verschlossen, setzt eine Verriegelung ein. Die Klappe lässt sich nun nicht mehr von außen öffnen. Nach 15 Sekunden wird ein Alarmsignal an die Kinderstation übertragen. Innerhalb von eineinhalb Minuten ist eine Kinderkrankenschwester bei dem Kind. Die Person, die das Kind gebracht hat, hat währenddessen genug Zeit, sich zu entfernen. Anhand einer Kamera, die ausschließlich auf das Bettchen gerichtet ist, können die Krankenschwestern von der Station aus das Baby auch sehen. „Die Anonymität ist hier auf jeden Fall gewahrt“, erklärt Pflegedirektor Oliver Schönmann die Funktionsweise des Babyfensters.
 
Eine Hoffnung haben indes alle Beteiligten: Dass das Babyfenster nicht zum Einsatz kommen möge. Statistisch gesehen kommt auf eine Babyklappe ein Kind pro Jahr. Im Bodenseekreis ist das Babyfenster am Klinikum Friedrichshafen das einzige, in Baden-Württemberg das achte. Bundesweit gibt es mit Friedrichshafen nun 99 Babyklappen.
 
Links:
Artikel im Südkurier vom 04.02.12
Artikel im Südkurier vom 07.02.12
Bericht im Regio TV (mp4)

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