Mittwoch, 24. Juni 2015

Krankenhausfinanzierung setzt auch Klinikum Friedrichshafen unter Druck

Friedrichshafen (kf) Die Finanzierung eines Krankenhausbetriebes wird immer schwieriger. Grund ist unter anderem das Vergütungssystem rund um den so genannten Landesbasisfallwert sowie Mehrleistungsabschläge bei Leistungsausweitungen auf örtlicher Ebene. Auf diese Problematik weist das Klinikum Friedrichshafen hin und fordert eine Reform des Finanzierungsmodells.
Jochen Wolf, Krankenhausdirektor und Prokurist des Klinikums Friedrichshafen

Zwar zählt das Häfler Klinikum nach wie vor noch zu den wenigen finanziell gesunden Krankenhäusern im Land. Insgesamt sind die Rahmenbedingungen für die Kliniken im Südwesten der Republik aber problematisch. „Die Stimmung ist dramatisch schlecht“, stellte jüngst die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) fest. Das liegt nicht zuletzt an der aktuellen Berechnungsgrundlage für die Vergütung der einzelnen Krankenhausleistungen.

Dieser so genannte Landesbasisfallwert wurde für 2015 lediglich um 1,04 Prozent gegenüber dem Vorjahr angehoben. Zu wenig, um die gleichzeitig steigenden Kosten abzudecken.

Nach Aussage von Jochen Wolf, Krankenhausdirektor und Prokurist des Klinikums Friedrichshafen, wären dafür eigentlich mindestens zwei Prozent nötig gewesen. So entsteht für das Häfler Krankenhaus im laufenden Jahr eine Lücke von 600 000 Euro, die anderweitig ausgeglichen werden muss.

Aber wie wird mit dem Landesbasisfallwert, der für alle Krankenhäuser in Baden-Württemberg gilt, nun genau gerechnet? Ob Geburt, Blinddarmoperation oder das neue Hüftgelenk: Je nach Aufwand wird eine medizinische Behandlung jeweils mit einem bestimmten Relativgewicht bewertet. So schlägt zum Beispiel eine Linksherzkatheter-Untersuchung mit dem Faktor 0,645 zu Buche. Multipliziert man diesen Wert mit dem jährlich festgesetzten Landesbasisfallwert von aktuell 3.232,73 Euro ergibt sich ein Abrechnungspreis von 2.085,11 Euro. Und diese Summe bekommt das Krankenhaus dann von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet.

Doch der Teufel steckt im Detail – oder besser: im System. So stützt sich das Vergütungsmodell zusätzlich auch auf die örtlich vereinbarten Fallzahlen pro Krankenhaus. Sprich: Wie viele Darm-OPs, wie viele Geburten, wie viele Eingriffe am Handgelenk fallen an? Steigen diese Zahlen, wird das zum Problem: „Wir bekommen solche Mehrmengen nicht voll refinanziert“, rechnet Jochen Wolf vor. Grund: Derzeit müssen die Krankenhäuser empfindliche Abschläge hinnehmen, wenn unvorhergesehen mehr Patienten im Krankenhaus versorgt werden.

Unter dieser „Mengenbremse“ leidet jedoch nicht nur die betroffene Klinik allein. Gleichzeitig sinken über den Basisfallwert bei solchen Mengensteigerungen in den Folgejahren auch die Vergütungen für alle Krankenhäuser im Lande. Und hierbei spielt es dann nicht mal eine Rolle, ob alle vereinbarten Mehrleistungen überall auch tatsächlich erbracht wurden oder nur „Leermengen“ entstanden sind, die den Krankenkassen gar nicht in Rechnung gestellt werden.

Gerade dieser zweifache Preisabfall, die so genannte „doppelte Degression“,  ist nicht nur den Verantwortlichen des Klinikums Friedrichshafen ein Dorn im Auge. Für Jochen Wolf ist sie einfach „nicht mehr sachgemäß“ und sollte so schnell wie möglich abgeschafft werden. Das würde den Druck auf die Krankenhäuser bei der ohnehin engen finanziellen Situation mildern und auch die Planungssicherheit erhöhen.

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