Donnerstag, 20. März 2014

„Passt gut auf mich auf“: Erstmals wird das "Babyfenster" am Klinikum Friedrichshafen in Anspruch genommen

Friedrichshafen (kf) Zum ersten Mal ist ein Säugling in das "Babyfenster" des Klinikums Friedrichshafen gelegt worden. Seit 2012 gibt es diese anonyme Anlaufstelle, um lebensbedrohliche Aussetzungen oder gar Kindstötungen zu verhindern und Eltern in Krisensituationen zu unterstützen. Glückliches Ende im Fall des Häfler Findelkindes: Inzwischen ist der kleine Junge wieder bei seiner Mutter.
Das "Babyfenster" am Klinikum Friedrichshafen ist erstmals zum Einsatz gekommen. Chefarzt Dr. Udo Radlow, Assistenzarzt Dr. Michael Wömpner und Geschäftsführer Johannes Weindel (von links) freuen sich, dass sie mit dem Angebot einem Kind und seiner Mutter helfen konnten.

"Wenn dadurch nur ein einziges Leben gerettet wird, dann hat es sich bereits gelohnt."

Mit diesen Worten hatte Klinikum-Geschäftsführer Johannes Weindel vor zwei Jahren das aufklappbare "Babyfenster" an der Rückseite des Mutter-Kind-Zentrums in Betrieb genommen. Wird dort ein Neugeborenes in das gepolsterte Bettchen gelegt, wird automatisch die Kinderstation alarmiert – und das Baby sofort medizinisch versorgt. Nun, nach zahlreichen Fehlalarmen, trat er tatsächlich ein, der von Weindel beschriebene "Fall der Fälle": Dass eine verzweifelte Mutter aus einer Notsituation heraus ihr Baby in die Obhut des Klinikums gegeben hat.

"Passt gut auf mich auf"

Anfang Februar 2014, um drei Uhr nachts, wurde die diensthabende Nachtschicht um Assistenzarzt Dr. Michael Wömpner alarmiert. Sie fand im "Babyfenster" einen kleinen, erst wenige Stunden alten Jungen, notdürftig mit einem Haarband abgenabelt und eingewickelt in ein warmes Handtuch. Und einen kurzen Brief. "Passt gut auf mich auf", hatte die anonyme Mutter im Namen ihres Babys auf ein Blatt Papier geschrieben. Eine Geschichte, die die Klinikum-Mitarbeiter sehr berührte. Nachdem sie das Kind professionell versorgt hatten und es klar war, dass es ihm soweit gut geht, sei es für das ganze Team sehr emotional gewesen, erinnert sich Dr. Wömpner. "Das hat uns alle mitgenommen", so der 33-jährige Mediziner.

Glückliche Familienzusammenführung

Deshalb sei man auch besonders glücklich über das Happy End. Denn ein paar Tage nach dem dramatischen Ereignis meldete sich die Mutter im Klinikum. Sie hatte keinem von der Schwangerschaft erzählt, ihr Baby still und heimlich zur Welt gebracht und dann im Schutze der Dunkelheit in das "Babyfenster" gelegt. Im Klinikum hatte der Fall danach eine festgelegte Prozedur in Gang gesetzt: Polizei, Jugendamt und Standesamt wurden verständigt. Dass es am Ende eine "glückliche Familienzusammenführung" gab, freut auch den Chefarzt der Kinderklinik, Dr. Udo Radlow: "Das ist auch der Sinn der Sache."

Zehn Tage nach der Geburt konnte die Mutter samt Baby dann das Krankenhaus verlassen. "Das war das Schönste dabei", sagt Dr. Wömpner.  Denn es gehe ja nicht nur um das Kind. Man habe sich in jener Nacht auch gefragt: "Wie geht es denn der Mutter?" Schließlich sei es für sie bestimmt nicht leicht gewesen, ihr Kind abzugeben.

Zeit zur Besinnung

Hätte sie sich übrigens nicht mehr gemeldet, wäre das Kind zunächst in eine Pflegefamilie gekommen. Acht Wochen lassen die Behörden der leiblichen Mutter nach der Geburt Zeit. Nach Ablauf dieser Frist werde es "deutlich schwieriger", sein Kind sofort wieder zu sich nehmen zu dürfen, weiß Dr. Radlow, ein erklärter Befürworter der nicht unumstrittenen Babyklappen. Schließlich könnten diese Leben retten. Denn an die verzweifelten Betroffenen schon im Vorfeld heranzukommen, sei schwierig. Zwar gebe es in der Region genügend Hilfsangebote für werdende Mütter in Notsituationen. Doch dazu müssten diese eben selbst aktiv werden. "Aber es gibt Frauen, die diesen Schritt nicht schaffen." Deshalb sei das "Babyfenster" da: "Es braucht so einen Ausweg, um dann wieder zur Besinnung zukommen." So wie es letztlich auch bei der Mutter des ersten Häfler "Babyfenster"-Kindes der Fall war.

Entsprechend glücklich über den Ausgang der Geschichte ist Geschäftsführer Johannes Weindel: "Es war ein ganz herausragendes Ereignis." Mit der Einrichtung des "Babyfensters" habe das Klinikum auch eine gesellschaftliche Verantwortung übernommen, um in einer akuten Notlage einen letzten Ausweg anzubieten. "Und ich bin tief gerührt, dass es uns gelungen ist, damit jemandem zu helfen."

Weitere Informationen zum Mutter-Kind-Zentrum

 

 

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