Mittwoch, 18. April 2012

Technische Innovation im Klinikum Friedrichshafen

Diagnostik mit der "Kapsel"
Prof. Dr. Christian Arnold: Mit Überwachungskamera zur Diagnostik von Dünndarmerkrankungen

Geheimdienstmethoden im Krankenhaus? Das klingt dubios. Und doch kann daraus eine fruchtbare Verbindung entstehen, zum Segen der Medizin und ihrer Patienten. In der Medizinischen Klinik I des Klinikums Friedrichshafen wird eine winzige Überwachungskamera zur Diagnostik von Dünndarmerkrankungen eingesetzt. Die so genannte Kapselendoskopie geht zurück auf eine Erfindung des israelischen Geheimdienstes.

Prof. Dr. Arnold, Chefarzt der Medizinischen Klinik I, demonstriert die hohe Bildauflösung, die Dank der Kapselendoskopie möglich ist. Bild: KlinikumDie Kapselendoskopie kann Patienten mit Darmblutungen helfen, wenn mit Hilfe der üblichen Untersuchungsmethoden keine Blutungsursachen entdeckt wurden. Das Verfahren klingt einfach: Die Kapsel ist nur so groß wie eine Vitamintablette. Ausgestattet ist sie mit einer winzigen Kamera und einer Batterie, die etwa zehn Stunden hält. Der Patient schluckt die Kapsel, die auf ihrem Weg durch den Verdauungstrakt den gesamten Dünndarm filmt. Die Aufnahmen, werden per Funk auf einem kleinen Recorder übertragen, den der Patient außen am Körper trägt. Anschließend wird die Kapsel ausgeschieden und entsorgt. Der Film aus dem Dünndarm, der zwischen zwei und acht Stunden lang ist, wird vom Arzt am PC ausgewertet.

Diese Untersuchungsmethode ist noch jung und erst seit wenigen Monaten als kassenärztliche Leistung anerkannt. Aufgrund der Kosten - die Technik ist teuer und der ärztliche Aufwand sehr hoch - wird sie nur in eng begrenzten Fällen eingesetzt, wenn herkömmliche Untersuchungen wie Magen- und Darmspiegelung keinen Befund geliefert haben. „Wir setzen die Kapsel etwa 25 Mal im Jahr ein“, erläutert Prof. Dr. Christian Arnold, Chefarzt der  Medizinischen Klinik I des Klinikums Friedrichshafen. Eine geringe Zahl gegenüber den rund 1200 Darm- und 2500 Magenspiegelungen, die er und seine Mitarbeiter im Jahr 2011 vorgenommen haben.

Für Patienten mit Dünndarmerkrankungen ist die Kapsel aber oft die letzte Hoffnung, denn der Dünndarm ist aufgrund seiner Länge und seiner schweren Zugänglichkeit nicht leicht zu untersuchen. „Unsere Patienten leiden zum Teil schon wochen- und monatelang unter Blutungen und haben viele Arztkontakte und Untersuchungen hinter sich, wenn sie zu uns kommen“, beschreibt der Internist und Gastroenterologe. Um ihnen bestmöglich helfen zu können, hat das Klinikum Friedrichshafen Anfang dieses Jahres noch einmal in die Technologie investiert und das neueste System mit höchster Bildauflösung angeschafft. „Die neue Kapsel liefert fantastische Bilder“, so Prof. Arnold.

Vorsorgepatienten werden von der Kapsel jedoch nicht profitieren. „Bis auf wenige Ausnahmen gibt es in der Darmkrebsvorsorge keine wirkliche Alternative zur Darmspiegelung“, sagt Prof. Arnold. Der große Vorteil der Darmspiegelung: „Im Zuge einer Untersuchung kann sowohl Diagnostik als auch Therapie erfolgen, wenn zum Beispiel eine Krebsvorstufe entdeckt und sofort entfernt wird.“

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