Drittes Kind im Babyfenster des Klinikums Friedrichshafen

Friedrichshafen (MCB) Knapp 1200 Neugeborene im Klinikum Friedrichshafen im Jahr 2016 sind ein neuer Rekord. Viele glückliche Eltern verließen mit ihren Babys das Mutter-Kind-Zentrum (Mukiz). Aber was ist, wenn das Kind „nicht geplant“ oder „nicht gewollt“ ist? Vor kurzem wurde das dritte Neugeborene ins Babyfenster am Mukiz gelegt. Statt der anonymen und nicht selten riskanten Geburt empfehlen sowohl Ärzte als auch Vertreter von Beratungsstellen im Notfall die vertrauliche Geburt im Klinikum.

Auch vier Jahre nach seiner Einrichtung steht das Klinikum Friedrichshafen zu seinem Babyfenster, ist dadurch doch sowohl die medizinische als auch die behördliche Betreuung des kleinen Erdenbürgers gesichert. Wenn Geschäftsführer Johannes Weindel in diesem Zusammenhang von einer lohnenden Investition spricht, denkt er nicht ans Geld. Im Sinn hat er vielmehr die Überzeugungsarbeit, die nötig war, um das Babyfenster einzurichten.

Hilfe in Notsituation

„Immerhin konnten wir mit diesem Baby bereits dem dritten Menschenleben in einer Notsituation helfen. Zusammen mit den Müttern sind es sogar sechs“, sagt Weindel. Menschen in Not zu helfen sehe der Medizin Campus Bodensee als Teil seines Auftrags. „Mit dem Babyfenster zeigen wir Humanität und Daseinsfürsorge. Wir sind damit auf einem richtigen Weg.“ Das Babyfenster sei ein Angebot für Mütter in einer problematischen Situation, die zum Zeitpunkt der Geburt in noch größerer Not seien, erläutert Chefarzt Dr. Steffen Kallsen, Klinik für Kinder und Jugendliche.

Alarm lässt Handlungskette anlaufen

Er beschreibt die Handlungskette, die mit dem Ablegen des Kindes im Wärmebett des Babyfensters anläuft: „Es wird ein stiller Alarm ausgelöst, das Kind kommt auf die Babystation und wird dort versorgt. Gleichzeitig werden Behörden wie das Jugendamt eingeschaltet.“ Wenn sich die Mutter nicht zeitnah melde, sorge es für einen Platz in einer Pflegefamilie. „Bei uns war dies allerdings bei zwei von drei Babys innerhalb von ein paar Tagen der Fall“, berichtet Dr. Kallsen.

Vertrauliche statt anonyme Geburt

Im Gegensatz zur anonymen Geburt ohne jede medizinische Hilfe haben Frauen im Klinikum Friedrichshafen die Möglichkeit der vertraulichen Geburt. Sie wurde 2014 Bundesgesundheitsministerium initiiert. „Die Mutter kommt unter einem Pseudonym ins Klinikum und gibt das Kind zur Adoption frei“, schildert Chefarzt Dr. Hans-Walter Vollert, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Allerdings habe auch sie zwölf Monate Zeit, ihr Kind zu sich zurückzuholen. Für Dr. Vollert und Dr. Kallsen steht neben der medizinischen Versorgung der Mutter das Wohl des Kindes an erster Stelle. „Es soll optimale Bedingungen für seinen Start ins Leben haben“, so Dr. Vollert.

Beratungsangebote

Ist eine Frau hochschwanger und in dieser Konfliktsituation sollte ihr Weg in eine Beratungsstelle führen. Jederzeit erreichbar ist das Hilfetelefon „Schwangere in Not – anonym & sicher“ unter der Nummer 0800/4040020. „Wir zeigen den Frauen Wege auf, wie sie ihre eigne Person schützen und ihr Kind trotzdem medizinisch sicher entbinden können“, sagt Sabine Hornig von der Beratungsstelle der Diakonie in Friedrichshafen. Bei der gesetzlich geregelten vertraulichen Geburt bleiben die Mütter anonym. „Gleichzeitig sichert sie das Recht des Kindes, ab einem Alter von 16 Jahren beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben seine Herkunft zu erfahren, wenn es das will“, so Hornig. Dort ist ein versiegelter Umschlag mit dem Herkunftsnachweis hinterlegt.

Zeit zum Überlegen

Rund 100 Frauen entschieden sich im ersten Jahr (2014) in Deutschland für die vertrauliche Geburt, drei davon im Klinikum Friedrichshafen. Das Schöne: Alle drei haben sich nach der Geburt doch für ihr Kind entschieden und es nicht zur Adoption frei gegeben. „Die Babys waren von Anfang an gut versorgt und die Mutter hatte Zeit zu überlegen, was da gerade passiert“, beschreibt Sabine Hornig die Vorteile. Das Babyfenster sieht sie als ein weiteres sinnvolles Instrument im Gesamtkonstrukt.

Die vertrauliche Geburt ist im Klinikum Friedrichshafen eine Möglichkeit für Mütter in einer Notsituation (von links): Chefarzt Dr. Hans-Walter Vollert, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Sabine Hornig von der Beratungsstelle der Diakonie, Chefarzt Dr. Steffen Kallsen, Klinik für Kinder und Jugendliche und Geschäftsführer Johannes Weindel haben das Wohl von Mutter und Kind im Blick. Bild: MCB

Die vertrauliche Geburt ist im Klinikum Friedrichshafen eine Möglichkeit für Mütter in einer Notsituation (von links): Chefarzt Dr. Hans-Walter Vollert, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Sabine Hornig von der Beratungsstelle der Diakonie, Chefarzt Dr. Steffen Kallsen, Klinik für Kinder und Jugendliche und Geschäftsführer Johannes Weindel haben das Wohl von Mutter und Kind im Blick. Bild: MCB



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