„GeriNoVe“: Bundesweites Pilotprojekt startet noch dieses Jahr

Friedrichshafen (MCB) Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat sich im Klinikum Friedrichshafen über das neue Regionale Geriatrische Notfall-Versorgungszentrum (GeriNoVe) informiert. Dieses gemeinsame Modellprojekt des „Medizin Campus Bodensee“ (MCB) und der Stiftung Liebenau wird durch den von der Bundesregierung aufgelegten Innovationsfonds in Millionenhöhe gefördert. Standort für GeriNoVe ist Weingarten.

Dafür, dass sich in bestimmten akuten Situationen eine Versorgungslücke bei älteren Patienten auftut, gibt es viele Beispiele: Die Seniorin etwa, die dank des täglichen Besuches des ambulanten Pflegedienstes noch in den eigenen vier Wänden leben kann. Im Alltag funktioniert das gut, doch was tun, wenn dieser Mensch plötzlich wegen einer infizierten Wunde eine  - zeitlich begrenzte - aufwändigere Pflege braucht? Oder was tun, wenn der Ehepartner, der sich daheim um seine an Demenz erkrankte Frau kümmert, einmal selbst krankheitsbedingt ausfällt? Ein ambulanter Dienst kann die Rund-um-die-Uhr-Versorgung nicht abdecken, eine andere kurzfristige Lösung ist nicht in Sicht – was bleibt, ist das Krankenhaus. Aber dort gehören diese Menschen eigentlich nicht hin.

Versorgungslücke wird geschlossen

Genau diese Angebotslücke will GeriNoVe schließen, wenn hier die Betroffenen kurzfristig pflegerisch bedarfsgerecht versorgt werden. Ziel sei es, erklärt die Projektverantwortliche Ingrid Jörg, älteren Menschen ihre größtmögliche Selbstständigkeit zu erhalten und ihren Verbleib im gewohnten Umfeld nachhaltig zu sichern. Die Welfenstadt Weingarten wird Standort von GeriNoVe sein, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Krankenhaus entstehen dort „auf der grünen Wiese“ Räumlichkeiten für 18 stationäre Plätze. Über einen Gang werden beide Einrichtungen verbunden sein, so wäre der Patient im Ernstfall schnell in der ärztlichen Obhut des „14 Nothelfer“. Generell gilt aber: Ein Krankenhausaufenthalt und die damit verbundenen Belastungen für die älteren Menschen sollen möglichst vermieden werden. Ziel ist es, dass die Senioren so schnell wie möglich wieder nach Hause gehen können. Dafür werden sofort nach der Aufnahme Lösungen gesucht, in einem Netzwerk mit weiteren stationären und ambulanten Akteuren.

„Keine Kurzzeitpflege“

Bei GeriNoVe selbst geht man von einer durchschnittlichen Verweildauer von fünf Tagen aus. „Wir sind keine Kurzzeitpflege“, betont Ingrid Jörg, „sondern eine Vernetzungsstelle zwischen allem, was es schon gibt – und eine Nische, die es noch nicht gibt“. Um die Patienten kümmert sich bei GeriNoVe ein multiprofessionelles Team von Spezialisten, darunter auch akademische Pflegekräfte, wie die Projektleiterin ankündigt. Dabei profitiert man auch vom Know-how der Stiftung Liebenau, die das Projekt als Partner mitentwickelt hat: „Wir werden insbesondere unsere Erfahrung in der Pflege und in der geriatrischen Betreuung einbringen“, erklärt Vorstandsmitglied Dr. Berthold Broll.

Gratulation vom Gesundheitsminister

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe pries bei seinem Besuch in Friedrichshafen die „Kultur der Zusammenarbeit“, die durch solche Gemeinschaftsangebote gefördert werde. GeriNoVe bezeichnete der Unions-Politiker als ein „Lotsenprojekt“ und gratulierte den Kooperationspartnern dazu, in Berlin mit einem überzeugenden Konzept den Zuschlag erhalten zu haben für Fördermittel in Höhe von bis zu 4,596 Millionen Euro. Damit – so Klinikum-Geschäftsführer Johannes Weindel – sei „der Löwenanteil der Kosten gedeckt“. Jeweils weitere 70.000 Euro im Jahr steuern die beiden Projektpartner MCB und Stiftung Liebenau bei. „Das Projekt ist es wert“, betont Weindel. Schließlich sei das bundesweit einzigartige Angebot ein „Labor für die Nation“. Auch Lothar Riebsamen, Bundestagsabgeordneter für den Bodenseekreis, der sich im Vorfeld für GeriNoVe stark gemacht hatte, lobte das Konzept dieses „Modellversuchs für ganz Deutschland“ und meinte: „Wir brauchen genau diese Dinge, damit Menschen ihren letzten Lebensabschnitt da verbringen können, wo sie es in aller Regel wollen: zuhause.“

Betrieb startet im Juni 2018

Der offizielle Startschuss für GeriNoVe erfolgt am 1. Dezember dieses Jahres. Nach einem sechsmonatigen Vorlauf, in dem die räumlichen und personellen Voraussetzungen geschaffen werden, werden ab Juni 2018 dann die ersten Patienten aufgenommen. Zunächst läuft das Angebot über 27 Monate. Es wird wissenschaftlich begleitet durch die Hochschule Ravensburg-Weingarten, am Ende gibt es eine dreimonatige Evaluation, die von der BKK ZF & Partner sowie der BKK MTU unterstützt wird. Bewährt sich das Ganze, was alle Beteiligten hoffen, könnte das Pilotprojekt vom Bodensee in einen Regelbetrieb überführt werden und dann auch bundesweit Schule machen.

Freuen sich auf ein innovatives und zukunftsweisendes Projekt (von links): Johannes Weindel (Geschäftsführer der Krankenhäuser im Klinikverbund „Medizin Campus Bodensee“), Dr. Berthold Broll (Vorstand Stiftung Liebenau), Hermann Gröhe (Bundesminister für Gesundheit), Lothar Riebsamen (MdB), Ingrid Jörg (Projektleiterin GeriNoVe) und Andreas Brand (Oberbürgermeister Friedrichshafen und Aufsichtsratsvorsitzender Klinikum Friedrichshafen GmbH). Bild: MCB

Freuen sich auf ein innovatives und zukunftsweisendes Projekt (von links): Johannes Weindel (Geschäftsführer der Krankenhäuser im Klinikverbund „Medizin Campus Bodensee“), Dr. Berthold Broll (Vorstand Stiftung Liebenau), Hermann Gröhe (Bundesminister für Gesundheit), Lothar Riebsamen (MdB), Ingrid Jörg (Projektleiterin GeriNoVe) und Andreas Brand (Oberbürgermeister Friedrichshafen und Aufsichtsratsvorsitzender Klinikum Friedrichshafen GmbH).

Bild: MCB

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