Friedrichshafen (MCB) Der Klinikverbund Medizin Campus Bodensee (MCB) hat seine erste Jahresbilanz als Krankenhaus-Trio vorgestellt. Mit der Bildung von Organzentren an den einzelnen Standorten Friedrichshafen, Weingarten und Tettnang wurden die Weichen für die Zukunft gestellt. Erfreulich: Die Klinikum Friedrichshafen GmbH blieb auch 2015 in der Gewinnzone. Die beiden anderen Häuser schrieben zwar noch Verluste, sind laut Geschäftsführer Johannes Weindel aber auf einem guten Weg, ihre wirtschaftlichen Ziele schon bald zu erreichen: „Die schwarze Null.“

Drei Krankenhäuser – ein Verbund

„Dreierlei“ – unter diesem Motto steht der Geschäftsbericht 2015, den Johannes Weindel, Geschäftsführer der Klinikum Friedrichshafen GmbH, der Krankenhaus 14 Nothelfer GmbH und der Klinik Tettnang GmbH, druckfrisch präsentierte. Das vergangene Jahr habe ganz im Zeichen der Neuordnung und des Zusammenwachsens des Klinikverbundes gestanden.

Weindel sprach von einer „gigantischen Herausforderung, drei unterschiedliche Krankenhäuser als drei selbstständige Unternehmen virtuell zu einem Ganzen zusammenzufügen“ – dem Medizin Campus Bodensee. Dabei ging es darum, ein medizinisch sinnvolles und wirtschaftlich tragbares Konzept zu entwickeln, das an den einzelnen Standorten Schwerpunkte bildet – so genannte Organzentren. Seit Mitte 2015 wird dieses Konzept umgesetzt.

Organzentren bündeln Kompetenzen

Als Beispiele für die gelungene Bündelung von Kompetenzen nannte Weindel die Gefäß-, Brust- und Darmzentren in Friedrichshafen, das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum in Tettnang oder die Endoprothetikzentren der Maximalversorgung (EPZ max) in Weingarten und Friedrichshafen. Ziel dabei sei es, für den Patienten die bestmögliche Behandlung zu sichern. „Durch den Verbund schaffen wir eine hohe Expertise und eine hohe Versorgungssicherheit“, so der Geschäftsführer. „Wir haben viel erreicht, aber wir sind noch nicht am Ende.“ So werde der Integrationsprozess auch noch das laufende und das kommende Jahr bestimmen.

Hohe Qualität in Weingarten und Tettnang

Aus dem Krankenhaus 14 Nothelfer in Weingarten berichtete der dortige Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Dr. Peter Sterk, dass im vergangenen Jahr zum Beispiel bei 820 Patienten Hüft- oder Knieprothesen eingesetzt wurden. Auch in Tettnang wurde das Profil weiter geschärft. Bereits seit Jahren eilt der Klinik in Sachen Kontinenz und Beckenboden ein erstklassiger Ruf voraus, wie Chefarzt Dr. Christian Fünfgeld betonte. Und im Rahmen des MCB habe man nun die Kooperation mit der Urologie in Friedrichshafen weiter intensiviert. Auch in der Medizinerausbildung sei man aktiv: „Jede Woche kommen Ärzte aus aller Welt, um in Tettnang zu hospitieren und die OP-Techniken zu erlernen“, so Dr. Fünfgeld.

Mehr als 35.000 stationäre Patienten

Auch die Patienten nehmen das neue Konzept trotz mancher Umstellung offenbar an. So stiegen inmitten des Umbruchs die Patientenzahlen im Verbund sogar leicht an. Dabei gab es – insbesondere bedingt durch die Zentrenbildung – Verschiebungen zwischen den einzelnen Standorten. So gibt es Wirbelsäulen-Operationen beispielsweise mittlerweile nur noch in Tettnang, und auch andere Bereiche zogen um. Während Friedrichshafen (19.876) im vergangenen Jahr 1,9 Prozent weniger stationäre Patienten verzeichnete als noch 2014, gingen die Zahlen in Tettnang (8.201; plus 4,9 Prozent) und Weingarten (7.390; plus 1,3 Prozent) nach oben. Insgesamt versorgte der MCB also im Jahr 2015 mehr als 35.000 stationäre Patienten. Der Schweregrad der Erkrankungen hat zugenommen, wodurch die Verweildauer etwa in Weingarten – nicht zuletzt wegen des EPZ max – um 0,4 auf im Schnitt rund fünf Tage gestiegen sei. Positives vermeldeten die Geburtshilfe-Abteilungen: Die Geburtenzahlen stiegen im Klinikverbund insgesamt um zwei Prozent. Fast 2.300 Babys kamen 2015 im MCB standortübergreifend zur Welt.

Investitionen in die Zukunft

Um den Klinikverbund fit für die Zukunft zu machen und das Überleben der drei Häuser nachhaltig zu sichern, nahm der Medizin Campus Bodensee viel Geld in die Hand. So wurden 2015 insgesamt 7,3 Millionen Euro investiert. Davon profitierte etwa die Endoskopie in Friedrichshafen oder die Kardiologie in Weingarten. „Als Krankenhaus kann man nur bestehen, wenn man den Patienten eine gute medizinische Versorgung bietet“, ist sich Weindel sicher. Deshalb werde man weiterhin investieren und den Klinikverbund weiter stärken. Als Beispiele für kommende Projekte nannte Geschäftsführer Weindel die OP-Sanierung in Tettnang, die Parkplatzerweiterung in Weingarten sowie den Bau eines zentralen Versorgungszentrums mit Küche, Apotheke, Lager, EDV und Verwaltung in Friedrichshafen.

Schwierige Rahmenbedingungen

Die wirtschaftliche Seite des Geschäftsjahres 2015 war insbesondere von den generell schwierigen Rahmenbedingungen für Krankenhäuser geprägt. Zum einen machte ein extrem niedriger Landesbasisfallwert, der die Vergütung stationärer Leistungen bestimmt, den Kliniken in Baden-Württemberg und so auch dem Medizin Campus Bodensee zu schaffen. Zum anderen habe auch die Regelung beim Mehrleistungsabschlag Planung und Arbeit erschwert. Insgesamt sei dadurch das Ergebnis um rund 1,5 Millionen Euro belastet worden, summierte Weindel.

Medizin Campus Bodensee im Plus

Dennoch schrieb das Klinikum Friedrichshafen auch 2015 wieder schwarze Zahlen, wie Prokurist Jochen Wolf vermeldete. So erwirtschaftete man dort trotz schwieriger Rahmenbedingungen einen Gewinn von 81.313 Euro. Im Krankenhaus 14 Nothelfer fiel ein Verlust von 572.507 Euro an, in Tettnang ein Minus von 1.002.433 Euro. Beide Häuser wurden jeweils durch einen kräftigen Trägerzuschuss durch die Klinikum Friedrichshafen GmbH gestützt. Insgesamt – so rechnete Wolf vor – kam der MCB auf einen konsolidierten Jahresüberschuss von rund 46.000 Euro. Geschäftsführer Johannes Weindel bezeichnete die Leistungsentwicklung im Klinikverbund als „vielversprechend“. Er zeigte sich zuversichtlich, „dass wir in den nächsten Jahren unsere Ziele erreichen werden.“ So gehe er davon aus, dass im Jahre 2019 in allen Häusern die schwarze Null stehe.

Der Kurs stimmt: Eine überwiegend positive Bilanz für das Geschäftsjahr 2015 des Medizin Campus Bodensee zogen (von links): Geschäftsführer Johannes Weindel, Pflegedirektor Oliver Schömann, Prokurist Jochen Wolf, Dr. Christian Fünfgeld (Chefarzt Klinik Tettnang), Prof. Dr. I. Kaare Tesdal (Ärztlicher Direktor Klinikum Friedrichshafen) und Prof. Dr. Dr. Peter Sterk (Ärztlicher Direktor Krankenhaus 14 Nothelfer Weingarten).

Der Kurs stimmt: Eine überwiegend positive Bilanz für das Geschäftsjahr 2015 des Medizin Campus Bodensee zogen (von links): Geschäftsführer Johannes Weindel, Pflegedirektor Oliver Schömann, Prokurist Jochen Wolf, Dr. Christian Fünfgeld (Chefarzt Klinik Tettnang), Prof. Dr. I. Kaare Tesdal (Ärztlicher Direktor Klinikum Friedrichshafen) und Prof. Dr. Dr. Peter Sterk (Ärztlicher Direktor Krankenhaus 14 Nothelfer Weingarten).

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