Kunst hilft Kranken

Friedrichshafen (MCB) Das Klinikum Friedrichshafen präsentiert bis in den Herbst 2016 hinein Bil-der und Skulpturen von Klaus Prior, um damit Patienten, Besuchern und Mitarbeitern einen inter-national benannten und gefragten Künstler näher zu bringen.

Die Bilder, Aquarelle und Skulpturen von Klaus Prior entstehen ohne vorhergehende Skizze, ohne Modell, je nach Größe oft in einem Arbeitsgang, spontan und konzentriert zugleich. Die impulsiven Gesten und rasch hingeworfenen Pinselstriche entspringen einer inneren Notwendigkeit und spie-geln die Befindlichkeiten und Empfindungen des Augenblicks.

Immer stehen die figürlichen Motive an der Schwelle von der Gegenständlichkeit zur Abstraktion. In den offensiven Ausbrüche über die Formgrenzen hinaus, in der proportionalen Überbetonung von Köpfen, Gliedmaßen, Gesichtern oder Gebärden leben die unkaschierten Arbeitsspuren als Manifeste des momentanen Ausdrucks fort. An expressionistischen Bildauffassungen erinnert der freie Umgang mit dem Lokalkolorit. Die im- und explodierenden Farben dienen als mittelbare Gefühlsträger und Bekenntnisse leidenschaftlicher Stimmungen.

Bildhauerisch arbeitet Klaus Prior überwiegend in Holz, einem der ältesten künstlerischen Werkstoffe überhaupt. Kettensäge und Stechbeitel dienen als technische Hilfsmittel, massive Baumstämme mit gezielt gesetzten Eingriffen in menschliche Gestalten und Körperfragmente zu verwandeln. In den Oberflächentexturen spiegelt sich die Wucht der Sägeschnitte und mit ihnen die rohe Unmittelbarkeit des kraftvollen künstlerischen Eingriffs. Sie bleiben dauerhaft in den Eisenabgüssen konserviert, die Klaus Prior von einzelnen Skulpturen anfertigen lässt.

Zentrales Motiv in Klaus Priors künstlerischem Schaffen ist der Mensch. Einzelne Köpfe, schlaffe, ausgemergelte oder wohlgenährte, aufgeblähte Körper mit kantigen oder zerfließenden Gesichtern, überlängten oder zwergenhaft gedrungenen Leibern und immer wieder einzelne Köpfe charakterisieren das schier unermesslich Spektrum menschlicher Körperlichkeit. Losgelöst aus einem erzählerischen Zusammenhang sprechen die Figuren alleine für und über sich.

Klaus Priors Kunst ist geprägt von den nachhaltigen Erinnerungen seiner Kindheit und Jugend im Nachkriegsdeutschland, der Erkenntnis von der Geworfenheit und Zerbrechlichkeit des Menschen, gepaart mit den Lebenserfahrungen in einer industriellen Arbeiterkultur. Seine Bilder und Skulpturen berichten von der stetigen Begegnung des Menschen mit Schmerz, Verwundung und Isolation.

Im Sinne Arthur Schopenhauers deutet er den Menschen als gespaltenes, zwischen Triebhaftigkeit und Vernunft hin- und hergerissenes Wesen. Seine künstlerische Findungskraft ist angesiedelt zwischen Erschrecken, naivem Staunen und offensiven Feststellungen angesichts unserer Umwelt und unserer gesellschaftlichen Stereotypen. Klaus Priors Kunst zeigt bedingungslos die Deformationen unserer Gesellschaft, welche ewige Jugend, Schönheit, Erfolg und Mobilität als absolut setzt und kaum Platz lässt für allzu Menschliches, für Schwäche, Desillusion und Erfolglosigkeit.

Biografische Daten

Klaus Prior ist 1945 in Wesel am Niederrhein geboren. Er verlässt als 18jähriger Deutschland und wird in der Ostschweiz ansässig. 1967 beginnt er an der Kunstgewerbeschule St. Gallen Malerei zu studieren. Nur drei Jahre später siedelt er als freischaffender Künstler ins Tessin über. 1989 wird er  Schweizer. Seit 1991 setzt er sich mit der Bronzeplastik, später zunehmend und bald ausschließlich mit der Holzbildhauerei auseinander. Im Jahre 2003  kommt  neu der Eisenguss hinzugekommen. Klaus Prior lebt und arbeitet er im Tessin und im Westallgäu. 

Beim Aufbau der Klaus Prio-Ausstellung im und um das Klinikum Friedrichshafen herum, waren schwere Maschinen und Muskelkraft gefragt, aber auch der Künstler Klaus Prior (2. von rechts) und der Kurator der Ausstellung, Heinz Nyffenegger (rechts. Bild: MCB)

Beim Aufbau der Klaus Prio-Ausstellung im und um das Klinikum Friedrichshafen herum, waren schwere Maschinen und Muskelkraft gefragt, aber auch der Künstler Klaus Prior (2. von rechts) und der Kurator der Ausstellung, Heinz Nyffenegger (rechts).

Bild: MCB

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