„Medizin am Gleis“ nimmt Harninkontinenz und Hämorrhoiden in den Blick

Meckenbeuren (MCB) Wer redet schon gern darüber, dass er inkontinent ist oder Hämorrhoiden hat? Diese Themen aus der Tabuzone zu holen war am Mittwoch ein Ziel von „Medizin am Gleis“ des Medizin Campus Bodensee (MCB) mit rund 120 Besuchern im Kulturschuppen in Meckenbeuren. 

„Immer Ärger mit der Blase“ wählte Dr. Christian Fünfgeld, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Tettnang und Leiter des  Kontinenz- und Beckenbodenzentrums, als Titel für seinen Part. Notker Hackenbruch, Chefarzt der Tettnanger Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie, sprach über die schmerzarme Behandlung von Hämorrhoiden.

Raus aus der Tabuzone mit dem Beckenboden

Fünf bis sieben Millionen Menschen, davon 80 Prozent Frauen, sind in Deutschland von Harninkontinenz betroffen. Jede vierte Frau zwischen 25 und 35 Jahren leidet unter Inkontinenz als Folge von Entbindungen. Bei Männern hängt sie häufig mit einer Vergrößerung der Prostata zusammen. „Blasenschwäche, Urinverlust beim Husten, Lachen oder Hüpfen, plötzlicher, unkontrollierbarer Harndrang, nächtliches Einnässen oder unbemerkter Urinverlust sind Symptome“, erläuterte Dr. Fünfgeld. Kurz: Wenn die kontrollierte Abgabe des Urins nicht funktioniert.

Beckenboden wird stark belastet

Wie stark der Beckenboden innerhalb von 70 Jahren belastet wird, untermauerte Dr. Fünfgeld mit Zahlen. „Jeder hat im Schnitt 153.000 Mal Wasser gelassen, hatte 25.550 Mal Stuhlgang, 7.500 Mal Geschlechtsverkehr und als Frau zwei bis drei Geburten.“ Hinzu kommen Heben und Tragen, Übergewicht oder Bindegewebsschwäche. Unterschieden werden belastungsabhängige Harninkontinenz und Dranginkontinenz. Während erstere häufig mit einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur  zusammenhängt, können die Ursachen der Dranginkontinenz im altersbedingtem Hormonmangel, Blasenentzündungen, Tumore, Gebärmuttersenkung oder in neurologischen Erkrankungen liegen.

Vielfältige Behandlungsmöglichkeiten

Individuell unterschiedlich ist der Zeitpunkt für das Gespräch mit dem Arzt. „Wenn für Sie der Urinverlust nicht mehr tragbar ist, dann behandeln wir“, so Dr. Fünfgeld. Von Beckenbodentraining über Hormontherapie, medikamentöser Behandlung, Elektrostimulation und Blasentraining reicht das Spektrum. Ist eine Operation nötig, kann zum Beispiel ein Bändchen zum Stützen der Harnröhre implantiert werden. Sehr gute Erfahrungen hat Dr. Fünfgeld bei Senkungen mit dem Einbringen eines stärkenden Kunststoffnetzes in den Beckenboden. Mit knapp 1500 Eingriffen im Jahr ist das erfolgreich rezertifizierte interdisziplinäre Kontinenz- und Beckenbodenzentrum des MCB nach München und Tübingen das drittgrößte Zentrum in Süddeutschland.

„Viele haben Hämorrhoiden, aber keiner redet darüber“

„Viele haben Hämorrhoiden, aber keiner redet darüber“, stieg Notker Hackenbruch in sein Thema ein. Dabei gebe es viele neue – und vor allem schmerzfreie – Behandlungsmethoden. Hämorrhoiden sind vergrößerte Blutgefäße im Enddarm, wobei vier Stadien unterschieden werden. Im letzten sind die Blutgefäße dauerhaft ausgetreten. Symptome wie Schmerzen, Brennen, Jucken, Bluten und Nässen weisen auf Hämorrhoiden hin. „Wir wollen vor allem die Angst vor der schmerzfreien, proktologischen Untersuchung nehmen“, betonte Hackenbruch.

Konservative und operative Therapien

Wenn die konservative Therapie mit sorgfältiger Analhygiene, Stuhlregulierung durch entsprechende Ernährung oder Veröden nicht mehr greift, kann auch bei Hämorrhoiden eine Operation helfen. Hackenbruch beschrieb die Stapler-Hämorrhoidopexie bei der die Hämorrhoiden durch eine Art Schleimhautlifting wieder in ihre natürliche Ausgangsposition zurückgebracht werden. „Dieses Verfahren ist in der Regel völlig schmerzfrei“, berichtete er. Um Operationen am empfindlichen Schließmuskel zu vermeiden, sei es wichtig, dass die Patienten möglichst frühzeitig zum Arzt kommen.

Nächster Vortag 15. Februar: "Fallbeispiele Notfallmedizin"

Der nächste Vortrag von „Medizin am Gleis“ findet am Mittwoch, 15. Februar, um 19 Uhr in Meckenbeuren statt. Prof. Dr. Volker Wenzel, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am MCB liest aus seinem Buch „Fallbeispiele Notfallmedizin“, Kollegen sprechen über „Notfälle im häuslichen Umfeld“ und demonstrieren, wie jedermann richtig reanimieren kann.

Den Beckenboden im Blick: Bei „Medizin am Gleis“ in Meckenbeuren sprachen die Chefärzte der Tettnanger Klinik Dr. Christian Fünfgeld, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, sowie Notker Hackenbruch, Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie, über Harninkontinenz und Hämorrhoiden. Bild: MCB

Den Beckenboden im Blick: Bei „Medizin am Gleis“ in Meckenbeuren sprachen die Chefärzte der Tettnanger Klinik Dr. Christian Fünfgeld, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, sowie Notker Hackenbruch, Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie, über Harninkontinenz und Hämorrhoiden.

Bild: MCB

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