Es geht nichts über Früherkennung

MECKENBEUREN –Jeder zweite Mann über 50 hat eine vergrößerte Prostata, mit jährlich knapp 70 000 Neuerkrankungen ist Prostatakrebs die häufigste Krebsursache beim Mann.

Das Thema betrifft viele, so dass der zweite Abend der Vortragsreihe „Medizin am Gleis“ des „Medizin Campus Bodensee“ auf reges Interesse stieß. Rund 130 Besucher sind zum Vortrag „Prostata: Das Männerorgan – Diagnostik und Therapie mit Hochtechnologie“ in den Kulturschuppen am Gleis 1 nach Meckenbeuren gekommen.

Im Alter wird die Prostata häufig größer

Mit Dr. Claus Friedrich Fieseler, Dr. Eberhard Köhler und Dr. Carsten Sippel berichteten drei Chefärzte der Klinik für Urologie, Kinderurologie und urologische Onkologie Friedrichshafen über aktuelle Diagnose- und Therapieformen der Prostata. Gerade mal die Größe einer Kastanie hat das Männerorgan, eine Geschlechtsdrüse unterhalb der Blase, normalerweise. „Im Alter wird die Prostata häufig größer und kann bis zu 250 Gramm wiegen. Sie engt die Harnröhre ein, irritiert die Blase und kann zu Dranginkontinenz führen“, nannte Dr. Fieseler mögliche Beschwerden.

Prostatakrebs häufigste Krebserkrankung beim Mann

Mit fast 70 000 Neuerkrankungen im Jahr hat der Prostatakrebs beim Mann den ersten Platz der Krebserkrankungen vor Darm- und Lungenkrebs eingenommen. Auch hier gilt:  Nur wenn der Krebs früh erkannt wird, gibt es Therapien mit hoher Heilungschance. Neben dem Abtasten der Prostata verhilft der PSA-Wert (PSA = prostataspezifisches Antigen) eine erste Einschätzung. Dr. Fieseler machte deutlich, dass der PSA-Wert alleine jedoch einige Fehlerquellen in sich trägt. „Er ist unter anderem abhängig von der Größe der Drüse, ob jemand regelmäßig Rad fährt, Prostatasteine hat oder häufiger ejakuliert.“

Nach Verdachtsdiagnoseist Biopsie erforderlich

Die Verdachtsdiagnose Prostatakrebs bestätigt erst die Biopsie. Der Gewebebefund ist auch Grundlage für die weitere Behandlung. „Nur bei 50 Prozent der Patienten findet man den Tumor bereits bei der ersten Biopsie“, informierte Dr. Köhler. Nicht selten sei eine weitere Biopsie erforderlich. Die Urologen des Klinikums setzen dabei auf modernste Technik:  Die Stereotaktische Fusionsbiopsie mit Multiparamer MRT der Prostata und Ultraschall (Biopsee®) führt zu einer deutlich besseren Diagnostik. „Wir haben damit eine Trefferquote von über 80 Prozent, als deutlich mehr als mit konventioneller Technik“, so Dr. Köhler.

Bessere OP-Ergebnisse mit Da-Vinci-Xi-Chirurgiesystem

Über die Vorteile der roboterassistierten Chirurgie für den Patienten sprach Dr. Sippel. „Er liefert ein exzellentes, dreidimensionales Bild mit bis zu zehnfacher Vergrößerung und die Roboterarme lassen sich noch flexibler als die eigenen Hände einsetzen“, berichtete der Urologe über das neue Da-Vinci-Xi-Chirurgiesystem im Klinikum Friedrichshafen.

Vorteile: schnellerer Genesung, bessere Operationsergebnisse

Die Vorteile für den Patienten liegen auf der Hand: geringer Blutverlust, kleinerer OP-Zugang, Liegezeit von maximal sieben Tagen, schnelle Rückkehr ins Berufsleben und optimierte Operationsergebnisse. „Die Patienten berichten wesentlich seltener von Kontinenzproblemen und haben weniger Erektionsstörungen“, berichtete Dr. Sippel.

Selbsthilfegruppe Friedrichshafen: „Es geht nichts über Früherkennung“

In der Fragerunde nutzte Uwe Stingl, Vorsitzender der Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Friedrichshafen, die Gelegenheit, um für Vorsorgeuntersuchungen zu werben. „Es geht nichts über Früherkennung.“

Nächste Veranstaltung: „Darm hat Charme“

Die nächste Veranstaltung der Reihe „Medizin am Gleis“ findet am Mittwoch, 16. November, um 19 Uhr unter dem Titel „Darm hat Charme“ in Meckenbeuren statt.

Bei "Medizin am Gleis" des Medizin Campus Bodensee stand die Prostata im Mittelpunkt

Bei "Medizin am Gleis" des Medizin Campus Bodensee stand die Prostata im Mittelpunkt (von links): Uwe Stingl, Vorsitzender der Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Friedrichshafen, dankte den Chefärzten Dr. Claus Friedrich Fieseler, Dr. Eberhard Köhler und Dr. Carsten Sippel von der Klinik für Urologie, Kinderurologie und urologische Onkologie Friedrichshafen für die aktuellen informierten über Diagnose- und Therapieformen.

Bild: MCB

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