Training für den Notfall: Neue Reanimationspuppen für das Klinikum Friedrichshafen

Friedrichshafen (kf) Knapp 11.000 Euro hat der Verein der Freunde und Förderer des Klinikums Friedrichshafen in die Anschaffung neuer Reanimationspuppen investiert. Sie dienen nicht nur der Schulung der Mitarbeiter im Klinikverbund Medizin Campus Bodensee, sondern kommen künftig auch bei öffentlichen Trainings zum Einsatz.

Wenn Atmung und Herzschlag plötzlich aussetzen, ist rasche Hilfe gefragt. Denn bis der Notarzt eintrifft, vergehen wertvolle Minuten. Doch viele sind unsicher, der letzte Erste-Hilfe-Kurs ist lange her. Deshalb sollten auch Laien ihre Kenntnisse in Sachen Herzdruckmassage immer wieder aufzufrischen, wie Dr. Dietmar Craß, Zentrumsdirektor und Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Medizin Campus Bodensee, betont.

In den Puppen steckt viel Technik

Für ein möglichst realitätsnahes Üben sind die neuen Puppen des Häfler Klinikums optimal. In ihnen steckt zwar kein Fleisch und Blut, dafür aber moderne Technik und viel Elektronik. Eine ausfahrbare Kontrolleinheit  gibt direkte Rückmeldung über die korrekte Anwendung der Herzmassage. Zur genaueren Auswertung lässt sich zudem ein Computer an die Puppen anschließen. Wie tief wurde gedrückt? Wie effektiv war die Kompression? „Es können mit den Puppen verschiedene Herzkreislauf-Stillstände simuliert und unterschiedliche Szenarien dargestellt werden“, sagt Matthias Schäfer, Leiter der Intensivstation.

Interne und öffentliche Schulungen

Gemäß der Leitlinie „Mehr Sicherheit“ werden die Mitarbeiter der drei Krankenhäuser im Medizin Campus Bodensee die Puppen nutzen, um in Schulungen den Ernstfall regelmäßig zu üben. Dazu können auch Defibrillatoren angewendet werden, selbst Infusionen und Spritzen sind möglich. Doch nicht nur das Klinikum-Personal profitiert von den zwei künstlichen Patienten: Die Puppen werden künftig auch bei öffentlichen Reanimationstrainings zum Einsatz kommen – etwa in Schulen oder Betrieben.

Ersthelfer müssen schnell handeln

Wie wichtig Laienschulungen sind, verdeutlicht Dr. Craß anhand von Zahlen: Von 100.000 Einwohnern erleiden statistisch gesehen 60 pro Jahr einen plötzlichen Herzkreislauf-Stillstand. Heruntergerechnet auf die Stadt Friedrichshafen bedeute das rund 35 Betroffene jährlich. Jeder zweite Herzkreislauf-Stillstand passiere in Beisein anderer Menschen. Und doch werde nur in 15 Prozent aller Fälle von Nicht-Medizinern mit einer Reanimation begonnen. Zu wenige trauen sich, zu wenige wissen, wie‘s geht. Dabei sei es wichtig, „in Sekundenschnelle zu handeln“, betont der Häfler Chefarzt.

Herzdruckmassage statt Beatmung

Die Angst vor einer Mund-zu-Nase-Beatmung könne er den Ersthelfern nehmen. Das werde heute Laien nicht mehr empfohlen. Stattdessen sollten sie sich auf das Wichtigste konzentrieren: die Herzmassage. Auch die Suche nach dem Puls sei „verlorene Zeit“. Und die Befürchtung, dem Betroffenen eine Rippe zu brechen? Unbegründet. Selbst wenn dies der Fall sein sollte, es wäre in dieser lebensbedrohenden Situation das kleinste Problem.

Auf die richtige Technik kommt es an

Doch wie geht’s nun richtig? Reagiert der bewusstlose Mensch nicht auf lautes Ansprechen, Kneifen oder Rütteln, heißt es zunächst: unbedingt Hilfe rufen, die 112 wählen – um dann aber sofort mit den Maßnahmen zu beginnen: Druckpunkt suchen, Handflächen auflegen und dann den Brustkorb in gleichmäßigen Bewegungen fünf bis sechs Zentimeter tief eindrücken, 100 bis 120 Mal pro Minute. „Und zwar so lange, bis Hilfe auftaucht“, so Matthias Schäfer.  

Aktiver Förderverein

„Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig das Thema ist“, erklärt Dr. Hans-Joachim Simmendinger, der ehemalige Häfler Anästhesie-Chefarzt und heutige Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Klinikums Friedrichshafen. Deshalb habe dieser die insgesamt knapp 11.000 Euro teuren High-Tech-Geräte finanziert. Jochen Wolf, Prokurist und stellvertretender Geschäftsführer des Klinikums, bezeichnete den Förderverein mit seinen 160 Mitgliedern als eine „wirklich segensreiche Einrichtung“ für das Krankenhaus. Seit vielen Jahren schon ermögliche der Verein Dinge, die aus dem regulären Klinikum-Budget nicht zu stemmen wären – von der Gestaltung des Außenbereiches über diverse Projekte in der Kinderklinik bis hin zum Abschiedsraum. Oder jetzt eben die Reanimationspuppen, die das alte, in die Jahre gekommene Modell ersetzen.

Info und Kontakt
Vereine, Betriebe oder Schulen, die an einer Reanimationsschulung interessiert sind, können sich im Sekretariat der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie melden unter Telefon 07541 96-1391.

 

Freuen sich über die neuen Reanimationspuppen für das Klinikum Friedrichshafen (von links): Dr. Dietmar Craß (Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie), Matthias Schäfer (Leiter der Intensivstation), Dr. Hans-Joachim Simmendinger (Vorsitzender Förderverein), Jochen Wolf (Klinikum-Geschäftsführung) sowie die Förderverein-Vorstandsmitglieder Günther Krehl und Josef Weißhaupt.

Freuen sich über die neuen Reanimationspuppen für das Klinikum Friedrichshafen (von links): Dr. Dietmar Craß (Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie), Matthias Schäfer (Leiter der Intensivstation), Dr. Hans-Joachim Simmendinger (Vorsitzender Förderverein), Jochen Wolf (Klinikum-Geschäftsführung) sowie die Förderverein-Vorstandsmitglieder Günther Krehl und Josef Weißhaupt.

In den Puppen steckt viel Technik drin: Messinstrumente zeigen genau an, ob die Herzdruckmassage korrekt gemacht wird.

In den Puppen steckt viel Technik drin: Messinstrumente zeigen genau an, ob die Herzdruckmassage korrekt gemacht wird.

Kompakt verpackt: Die Reanimationspuppe soll auch außerhalb des Klinikverbundes des Medizin Campus Bodensee zum Einsatz kommen, wie Matthias Schäfer, Leiter der Intensivstation am Häfler Klinikum, ankündigte.

Kompakt verpackt: Die Reanimationspuppe soll auch außerhalb des Klinikverbundes des Medizin Campus Bodensee zum Einsatz kommen, wie Matthias Schäfer, Leiter der Intensivstation am Häfler Klinikum, ankündigte. Bilder: Klinikum Friedrichshafen

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