Tiergestützte Therapie im Mutter-Kind-Zentrum

Momo ist keine Frühaufsteherin. Aber seit ein paar Wochen muss auch sie früh aus den Federn: Zusammen mit „Frauchen“ Ilona Huber macht sie sich auf den Weg zum gemeinsamen Arbeitsplatz, der Sektion pädiatrische Psychosomatik im Mutter-Kind-Zentrum des Klinikums Friedrichshafen. Momo ist eine fünf Jahre alte Labradordame, die seit Anfang dieses Jahres als Therapiehündin ihren Dienst tut. Ihre Chefin arbeitet als Erzieherin in der Klinik.

Fast überall auf der Station darf sich Momo frei bewegen: Nur der Speise- und Aufenthaltsraum und die Zimmer der Patienten sind tabu. Momo ist sehr beliebt. Sie strahlt Positives aus. „Mit geht es gut, wenn Momo da ist!“, diesen Satz hört Ilona Huber, die seit gut einem Jahr hier arbeitet, immer wieder. „Oft fragen die Kinder mich sogar, welche Krankheit sie denn haben müssten, um mit Momo zu arbeiten“ berichtet sie.

Dabei ist die tiergestützte Therapie – so der Fachbegriff – auf den ersten Blick nichts Besonderes und wird von den Patienten oft auch gar nicht als Therapie wahrgenommen. Ilona Huber: „Der Schlüssel zum Erfolg der Therapie mit Hunden, wie auch anderen zur Therapie eingesetzten Tieren, liegt darin, dass Tiere nicht bewerten, nicht beurteilen oder bevormunden. Die Patienten können so Vertrauen aufbauen und zugänglich werden für Verhaltensänderungen, mit denen wir ihnen helfen wollen.“

Da die Patienten auf der Sektion pädiatrische Psychosomatik vor allem mit, Essstörungen und verschiedenen Angststörungen, wie Schulangst bis hin zur Schulverweigerung, oder auch mit chronischen Kopf- oder Bauchschmerzen kommen, ist der Einsatz von Momo in der Therapie eine ideale Ergänzung: Verloren gegangenes Vertrauen in andere Menschen - etwa durch emotionale Vernachlässigung - soziale Blockaden können aufgebrochen und auch wieder hergestellt werden. Denn Hunde können vor allem bei Kindern bewirken, dass sie Ängste abbauen.

Wie Momo eingesetzt wird, ist abhängig vom Patienten und entscheidet sich zu Beginn des Aufenthaltes. Eine Therapieeinheit beginnt – in einer Kleingruppe oder auch einzeln - meist mit einem Spaziergang. „Kinder und Jugendlichen erleben durch Momo hier unmittelbare, authentische Reaktionen“ so Huber. Wenn zum Beispiel beim Stöckchen-Werfen die Abfolge aus „Hinsetzen – Blickkontakt – Bleiben – Werfen – Blickkontakt – Holen“ nicht stimmt, weiß Momo nicht, was sie machen soll. „Die Kinder merken dann sofort selbst, dass etwas fehlt, oder dass sie vielleicht zu schnell waren“, so Huber. Und sie erleben dann Verlässlichkeit, wenn Momo nach der Fehlerkorrektur „nach Plan“ reagiert. Gerade Kinder mit einer Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) profitieren hiervon.

Erzieherin Ilona Huber mit Therapiehündin Momo: Seit Anfang des Jahres gehen sie nur noch gemeinsam zur Arbeit auf der Sektion pädiatrische Psychosomatik im Mutter-Kind-Zentrum des Klinikums Friedrichshafen.Im Mutter-Kind-Zentrum ist Momo sozusagen ein „Plus“ für die jungen Patienten: Trotz des durch mehrere Studien erwiesenen Erfolgs von tiergestützter Therapie gibt es in Deutschland kein Geld von den Krankenkassen. Da das Klinikum Friedrichshafen jedoch vom Nutzen der Therapie überzeugt ist, finanziert es das nötige Equipement vor Ort, wie beispielsweise Hundekissen, und übernimmt auch die Kosten für die regelmäßig vorgeschriebenen Untersuchungen. Ilona Huber geht mit Momo immer direkt auf der Station an, wo sie meist schon ihre ersten Streicheleinheiten bekommt. Denn eins ist offensichtlich: Momo hat die Gabe, die Herzen von Kindern, Eltern und auch Kollegen auf der Station im Sturm zu erobern. Beste Voraussetzungen also für den therapeutischen Einsatz.

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