Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr zu Besuch im Klinikum

Friedrichshafen (kf) Daniel Bahr, Bundesminister für Gesundheit, hat gestern das Klinikum Friedrichshafen besucht und sich neben einer Kurzvisite im Mutter-Kind-Zentrum auch mit Mitarbeitern und der Geschäftsführung ausgetauscht.

Vor acht Wochen erst selbst Vater geworden, zeigte sich der FDP-Politiker bei seinem Rundgang durch das Häfler Mutter-Kind-Zentrum angetan vom „Top-Standard“ in Kreißsaal und Kinderklinik. Nachdem er frisch gebackenen Eltern persönlich zu ihrem Nachwuchs gratuliert hatte, stellte sich Bahr bei einer Podiumsdiskussion den Fragen von Klinikum-Geschäftsführer Johannes Weindel, Chefarzt Priv.-Do. Dr. Detlev Jäger sowie anwesenden Klinikums-Mitarbeitern.

Investitionen: Länder sind in der Pflicht

Dabei ging es in erster Linie um die Finanzierung der Krankenhäuser, denen das operative Alltagsgeschäft mit seinem engen Budget laut Dr. Jäger Sorgen mache. Für den Minister ist das Ganze ein „Strukturproblem“. Vom Bund fließe so viel Geld wie nie für die medizinische Behandlung in die Krankenhäuser. Geld, das aber ausdrücklich nicht für Investitionen da sei. Hier sieht er die Länder in der Pflicht, die sich aus der Investitionsfinanzierung jedoch immer weiter zurückzögen. Die Folge: Die Krankenhäuser müssen die fehlenden Mittel über höhere Fallzahlen generieren. Für Dr. Jäger ist das ein Dilemma: „Man wird in den marktwirtschaftlichen Kampf geschickt, um zu überleben, und wird dann in der Öffentlichkeit dafür kritisiert.“

Qualität lässt sich nicht an Fallzahlen messen

Doch ist es sinnvoll, dass alle Krankenhäuser trotz unterschiedlicher Qualitätsstandards gleich vergütet werden? Und wie kann eine gerechte Finanzierung überhaupt funktionieren? Nackte Fallzahlen und Mindestmengen, so Bahr, dürften nicht das entscheidende Kriterium für die Verteilung der Gelder sein. Zertifizierungen seien mögliche Kennzeichen, schlug Margit Locher vom Qualitätsmanagement des Häfler Klinikums vor. So unterzieht sich etwa das Brustzentrum Bodensee am Standort Friedrichshafen regelmäßig unabhängigen Audits, wie Dr. Hans-Walter Vollert, Chefarzt der Frauenklinik, erläuterte. Und doch lassen sich viele Krebspatientinnen auch an nicht zertifizierten Einrichtungen behandeln. Durch entsprechende Informationen müssten hier Anreize geschaffen werden, meinte Bahr, sprach sich aber gegen jegliche Einschränkung für die Krankenversicherten aus. Die freie Arzt-, Krankenhaus-, Kassen- und Therapiewahl sei schließlich und nicht nur aus seiner FDP-Sicht „ein hohes Gut“.

"Entscheidend ist nicht die Trägerschaft"

Angesprochen auf die hiesige Krankenhauslandschaft, die sich zu je einem Drittel in privater, kommunaler und gemeinnütziger Hand befindet, meinte Bahr: „Ich finde die Struktur gut.“ In jedem Bereich gebe es gut und schlecht geführte Kliniken. „Entscheidend ist nicht die Trägerschaft.“ Zwar gehe es für private Träger natürlich um Rendite, doch „auch ein städtisches Krankenhaus muss wirtschaftlich arbeiten.“ Dass dies immer wenigen Häusern gelingt, betonte Johannes Weindel. „Zwischen Donau und Bodensee sind alle Krankenhäuser defizitär“, so der Klinikum-Geschäftsführer. Sein Haus sei zwar das einzige in der Region, das gerade noch schwarze Zahlen schreibe, befinde sich aber auch auf einer „Gratwanderung“. So halte es als Krankenhaus der Schwerpunktversorgung ein sehr breites Angebotsspektrum vor und könne eben keine „Rosinenpickerei“ nach finanziell attraktiven Leistungen betreiben.

Gefragt sind Verbundlösungen

Bahr sprach sich für „einen gesunden Wettbewerb“ unter den Kliniken aus und stellte klar: „Eine gewisse Zentralisierung ist aus unserer Sicht für eine bessere Versorgung notwendig.“ Nicht jedes kleine Krankenhaus müsse tatsächlich alles anbieten. Zudem sei es die Frage, ob wirklich alle Häuser zwingend nötig seien. Die Zukunft, so waren sich Minister und Klinikum-Verantwortliche einig, liege in der Bildung von Netzwerkstrukturen und Verbundlösungen. Jüngstes Beispiel: die Übernahme des 14 Nothelfer Krankenhauses in Weingarten durch das Häfler Klinikum.

Pflege: Personalmangel macht Sorge

Auch das Thema Personalgewinnung brannte den Klinikum-Mitarbeitern unter den Nägeln. So beklagte OP-Manager Winfried Dotterweich einen „riesigen Nachwuchsmangel, gerade bei Pflegeberufen.“ Die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland, wie vom Klinikum kürzlich in Spanien praktiziert, begrüßte Bahr. Durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsse aber auch hierzulande die Attraktivität erhöht werden, sagte der Politiker und sprach sich gleichzeitig gegen eine weitere Akademisierung der Pflegeberufe aus: „Der größte Fehler wäre, den Zugang zu diesen Berufen zu erschweren.“

Ein "Mukiz"-Känguru für Bahrs Tochter

Am Ende seines gut einstündigen Besuches im Klinikum Friedrichshafen gab Geschäftsführer Weindel dem Bundesminister neben der Bitte um eine strukturelle Entlastung für die Krankenhäuser der Schwerpunktversorgung unter anderem auch ein Exemplar des Maskottchens des Mutter-Kind-Zentrums, das Stoffkänguru „Mukiz“, für den eigenen Nachwuchs mit auf den Heimweg.

Politikerbesuch im Klinikum Friedrichshafen: Bundesgesundheits-minister Daniel Bahr (Mitte) traf sich zum Austausch mit Chefarzt Priv.-Do. Dr. Detlev Jäger (links) und Klinikum-Geschäftsführer Johannes Weindel (rechts).
Beim Rundgang durch das Mutter-Kind-Zentrum zeigte sich der Bundesgesundheitsminister angetan vom „Top-Standard“ in Kreißsaal und Kinderklinik.
Anschließend stellte sich Bundesgesundheitsminister Bahr bei einer Podiumsdiskussion den Fragen von Klinikum-Geschäftsführer Johannes Weindel, Chefarzt Priv.-Do. Dr. Detlev Jäger sowie anwesenden Klinikums-Mitarbeitern.
Bundesgesundheitsminister Bahr und Klinikum-Geschäftsführer Johannes Weindel (rechts).
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