Patienteninformationen

Adipositas ist definiert als eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts. Es handelt sich dabei um eine chronische, von der Weltgesundheitsorganisation anerkannte Krankheit. Eine Klassifizierung erfolgt anhand des BMI (Body Mass Index), dem Quotient aus Gewicht und Körpergröße im Quadrat (kg/m2). Normalgewicht liegt bei einem BMI von 18,5-24,9 vor, ab einem BMI von 25 liegt per Definition ein Übergewicht vor. Adipositas beginnt ab einem BMI von 30 kg/m².

Untergewicht:   < 18,5 kg/m²
Normalgewicht:   18,5 - 24,9 kg/m²
Übergewicht:   25 – 29,9 kg/m²
Adipositas Grad I:   30 – 34,9 kg/m²
Adipositas Grad II:   35 - 39,9 kg/m²
Adipositas Grad III:   > 40 kg/m²

Neben dem BMI wird zunehmend auch die Fettverteilung zur Beurteilung des Gesundheitsrisikos herangezogen. Hierzu erfolgt die Messung des Taillenumfangs, bzw. die Bestimmung des Verhältnisses Hüft- zu Taillenumfang. Das sogenannte viszerale Fett korreliert in besonderem Maße mit Stoffwechsel- und Herz-Kreislauferkrankungen.

In den letzten Jahrzehnten ist es zu einem deutlichen Anstieg der Adipositas in den westlichen Ländern gekommen. In Deutschland sind mittlerweile sowohl bei Frauen als auch bei Männern mehr als 20 Prozent der Bevölkerung als adipös einzustufen. Ab einem BMI von über 40 kg/m² spricht man auch von einer morbiden, d.h. krankhaften, Adipositas. Mit zunehmendem Gewicht steigt das Risiko für Begleiterkrankungen. In zahlreichen Studien konnte ein Zusammenhang zwischen Adipositas und der Entstehung eines Diabetes mellitus Typ II gezeigt werden. Außerdem steigt das Risiko auch für Fettstoffwechselkrankheiten, Herz-Kreislauferkrankungen, hormonelle Störungen, aber auch für die Entstehung bösartiger Tumore. Als Folge kommt es bei Adipositas zu einer deutlichen Reduktion der Lebenserwartung.
Durch eine dauerhafte Gewichtsreduktion können diese Begleiterkrankungen verhindert werden. Bereits manifeste Erkrankungen werden positiv beeinflusst. 2012 wurden die auch als metabolische Chirurgie bezeichneten Verfahren von der International Diabetes Federation als Option zur Behandlung des Diabetes mellitus genannt.

Für Patienten mit einem BMI größer 40 kg/m² konnte bisher in Studien nur nach chirurgischer Therapie ein langfristiger Erfolg nachgewiesen werden.

 

Voraussetzung für eine chirurgische Therapie

Entsprechend den aktuellen S3-Leitlinien („Prävention und Therapie der Adipositas“) kann die Indikation für einen chirurgischen Eingriff ab einem BMI von >40 kg/m², bzw. einem Wert größer 35 kg/m² mit „erheblichen Komorbiditäten“ (Begleiterkrankungen), gestellt werden, wenn „die konservativen Behandlungsmöglichkeiten erschöpft sind“.

Das bedeutet, dass innerhalb von sechs Monaten in den letzten Jahren mittels Ernährungsberatung, Diät, Sport, ggf. Verhaltenstherapie (sogenanntes Multi-modales Konzept), kein signifikanter,dauerhafter Gewichtsverlust erreicht werden konnte.

Des Weiteren ist eine hormonelle Ursache für das Übergewicht auszuschließen und ein psychologisches Gutachten erforderlich.


Ab einem BMI >50 kg/m² kann eine Operation in Einzelfällen auch ohne die oben genannte konservative Therapie erfolgen.

 

Verfahren

Magenballon
Der Magenballon wird über eine Magenspiegelung in leichter Sedierung durch die Kollegen der Medizinischen Klinik I im Magen platziert und mit 600-800 ml Flüssigkeit gefüllt. Hierdurch kann bereits durch eine geringe Nahrungsaufnahme ein Sättigungsgefühl erreicht werden. In den ersten Wochen kann es vorübergehend zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Der zu erwartende Gewichtsverlust beträgt laut Studien ca. 10 Prozent innerhalb von 6 Monaten. Nach max. 6 Monaten sollte der Ballon wieder entfernt werden, um Komplikationen wie z.B. Magengeschwüre zu vermeiden. Das Entfernen des Ballons geschieht erneut durch eine Magenspiegelung (ambulant).

Magenband
Das verstellbare Magenband wird, wie alle anderen Eingriffe auch, minimal-invasiv („Schlüssellochtechnik“) um den Mageneingang platziert. Über eine unter der Haut der Bauchdecke eingebrachte Portkammer kann das Band ohne weitere operative Maßnahmen gefüllt, aber auch wieder entlastet werden. Durch die kontrollierte Füllung wird die Passage der Nahrung aus dem sehr kleinen „Vormagen“ oberhalb des Bandes in den Hauptmagen reguliert, sodass nur noch kleine Mahlzeiten eingenommen werden können.

Das OP-Risiko liegt mit 0,1 Prozent ungefähr im Bereich einer laparoskopischen Gallenblasenentfernung. Es können jedoch im weiteren Verlauf, auch bedingt durch falsches Essverhalten, Probleme wie Sodbrennen oder eine Erweiterung des Vormagens auftreten. Sehr selten kann es nach Jahren zu einem Einwachsen des Bandes in den Magen oder zu einem „Verrutschen“ (Slipping) kommen.

Für das Magenband liegen Verlaufsuntersuchungen bis zu 15 Jahren vor, im Mittel wurde dabei eine Reduktion des Übergewichts um 50 Prozent erzielt.

Schlauchmagen
Bei der Schlauchmagenresektion wird der Magen aus seiner Fixierung im Bauchraum gelöst, sodass ein Großteil mittels eines Klammernahtgeräts in Längsrichtung entfernt werden kann. Es verbleibt ein schlauchförmiger Magenrest („Sleeve“), in den noch ca. 100-150 ml Nahrung passen. Dadurch tritt ein sehr schnelles Sättigungsgefühl ein. Der abgesetzte Restmagen wird entfernt, dadurch kommt es zu einem deutlichen Absinken der Blutspiegel des sogenannten Hungerhormons Ghrelin. Viele Patienten berichten nach der Operation von deutlich reduziertem Hunger und fühlen sich deshalb auch selten „unbefriedigt“ nach einer Mahlzeit.

Die Gewichtsreduktion ist deutlich schneller und effektiver als beim Magenband. Innerhalb eines Jahres ist eine Abnahme des Übergewichts von 60-70 Prozent möglich. Die im Jahr 2012 im Klinikum Friedrichshafen operierten Patienten verloren im Mittel 67 Prozent ihres Übergewichts innerhalb eines Jahres.
Wichtig ist nach einer Schlauchmagenresektion ein vorsichtiger Kostaufbau, um ein Aufplatzen der Klammernaht in der Frühphase nach der Operation zu vermeiden.

Die Schlauchmagenresektion ist mittlerweile die am häufigsten durchgeführte Operation zur Behandlung der Adipositas in Deutschland.

Y-Roux-Magenbypass
Bei dem ebenfalls laparoskopisch durchgeführten Magenbypass wird mit Klammernahtgeräten ein sehr kleiner Anteil am Mageneingang abgetrennt und dann direkt mit einer Dünndarmschlinge verbunden. Diese wird dann nach ca. 150 cm wieder mit der vom Restmagen kommenden und die Verdauungsenzyme (Galle, Bauchspeicheldrüse) enthaltenden Dünndarmschlinge (50-100 cm) verbunden. Erst hier kann dann eine Nährstoffaufnahme erfolgen. Der Magenbypass hat somit zwei Effekte, zum einen eine verminderte Aufnahme durch den kleinen Magenanteil, zusätzlich erfolgt über die verkürzte Dünndarmpassage eine reduzierte Aufnahme. Was für Kohlenhydrate und Fette erwünscht ist, trifft allerdings auch auf Proteine, Vitamine und Mineralien zu. Deshalb ist nach einem Magenbypass eine Vitamin- und Mineraliensubstitution unerlässlich. Die langfristigen Ergebnisse bzgl. der Gewichtsabnahme sind ähnlich wie beim Schlauchmagen, der Magenbypass zeigt allerdings bei schlecht einstellbarem Diabetes mellitus noch bessere Ergebnisse. Auch ein ausgeprägtes Sodbrennen wird durch einen Bypass erfolgreich therapiert.

Wird der vom Restmagen kommende Dünndarmanteil länger belassen und damit die gemeinsame Passagestrecke weiter verkürzt, ist der Bypass zwar nochmals effektiver, es treten jedoch auch schwerwiegendere Nebenwirkungen auf. Standard ist somit das oben beschriebene Vorgehen.

Ω-Loop-Bypass/Ein-Anastomosen-Bypass
Bei diesem relativ neuen Verfahren wird ein ca. 15 cm langer Schlauchmagen gebildet, an den eine ca. 200-250 cm lange Dünndarmschlinge genäht wird. Somit ist die Nahrungsaufnahme wieder eingeschränkt, durch die Länge der ausgeschaltenen Dünndarmschlinge ist der malabsorptive Effekt stärker als beim normalen Bypass. Deshalb ist auch hier eine dauerhafte Substitution erforderlich. Um einen Rückfluß von Gallesekret zu vermeiden, wird eine „Anti-Reflux-Plastik“ durchgeführt. Alternativ kann der Bypass pyloruserhaltend(vollständiger Schlauchmagen mit Magenpförtner) als sogenanntes „Sadi“-Verfahren erfolgen.

Aktuelle Daten zeigen sehr gute Ergebnisse, langfristige Daten stehen allerdings noch aus.

 

Vorbereitung zur OP

Vor der Operation ist eine aktuelle Gastroskopie (Magenspiegelung) erforderlich um Entzündungen oder Tumore präoperativ behandeln zu können.
In Abhängigkeit vom Ausgangsgewicht soll eine 2-3 wöchige proteinreiche Diät mit einer einwöchigen Flüssigphase vor Aufnahme durchgeführt werden. Hierdurch kommt es zu einer Verkleinerung der Leber, was das operative Vorgehen erleichtert. Zusätzlich erleichtert es den Patientendie postoperative Ernährungsumstellung, die zur Vermeidung von Komplikationen zwingend notwendig ist.

Kontaktdaten

Klinikum Friedrichshafen GmbH
Röntgenstraße 2
88048 Friedrichshafen

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Fax: 07541 96-1185
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